Landkaertchen

Frühjahrsform des Landkärtchens.
Foto: Elke Freese 2010.

Landkaertchen

Landkärtchen bei der Eiablage.
Foto: Kristin Böhm 2012.

Landkaertchen

Sommerform des Landkärtchens auf einer Distelblüte.
Foto: Elke Freese 2009.

Landkaertchen

Flügelunterseite der Sommergeneration.
Foto: Elke Freese 2009.

Landkaertchen

Die Raupen des Landkärtchens sind an den zwei Kopfhörnern gut zu erkennen.
Foto: Carsten Heinecke 2009.

Landkaertchen

Die Raupen leben im Gegensatz zu jenen des Tagpfauenauges stets auf den Blattunterseiten
der Großen Brennnessel.
Foto: Henning Cordsen 2009.

Landkaertchen

Kotspuren verraten die Anwesenheit von Raupen.
Foto: Henning Cordsen 2009.

Landkaertchen

Eine überwinternde Puppe.
Foto: Henning Cordsen 2009.

distelflur

Distelfluren sind eine beliebte Necktarquelle.
Bitte anklicken und vergrößern.
Foto: Elke Freese 2009.

 

Landkärtchen (Araschnia levana)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Das Landkärtchen (Araschnia levana) bildet zwei Generationen im Jahr, deren Falter sich in der Farbgebung und im Zeichnungsmuster stark unterscheiden. Dieser Saisondimorphismus wird durch die Tageslänge während der Raupenentwicklung gesteuert. Die Falter der Frühjahrsform werden als A. levana f. levana, jene der Sommergeneration als A. levana f. prorsa bezeichnet. Die beiden Formen des Landkärtchens wurden aufgrund ihres unterschiedlichen Aussehens lange Zeit für zwei verschiedene Arten gehalten, doch sind sie jeweils unmittelbare Nachkommen voneinander. Die zwei zeitlich kaum überlappenden Generationen treten in der Regel nicht in reproduktiven Kontakt.

In den letzten Jahrzehnten hat der Schmetterling sein Verbreitungsgebiet in Europa sowohl nach Norden als auch nach Süden erweitert. Das Landkärtchen ist Schmetterling des Jahres 2007.
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2. Kennzeichen

Die Falter der Frühjahrsgeneration sind oberseits orange gefärbt mit schwarzer und an den Flügelspitzen weißer Fleckenzeichnung. Am Rand der Hinterflügel ist außerdem eine Reihe blauer Flecken zu sehen. Die Sommergeneration ist dagegen in der Grundfärbung braunschwarz. Die Falter zeigen eine weiße Bindenzeichnung und rote Fleckenreihen vor den Flügelrändern.

Die Flügelunterseiten sind in beiden Generationen für die Art typisch mit vorwiegend rotbrauner Färbung und einem reich gegliederten weißen Adernetz, das an eine Landkarte erinnert (Name!). Frühjahrs- und Sommergeneration unterscheiden sich hier nur unwesentlich.

Neben dem Saisondimorphismus zeigen die Landkärtchen auch einen schwach ausgeprägten Sexualdimorphismus. Die Weibchen sind in beiden Generationen größer als die jeweiligen Männchen. Außerdem haben die Weibchen etwas rundlichere Vorderflügel. Die Weibchen der Sommergeneration besitzen in der Regel zwei statt einer orangefarbenen Linie auf den Hinterflügeln.

Die Raupen sind schwarz mit zahlreichen weißen Punkten und verzweigten Dornen. Sie ähneln daher den Raupen des Tagpfauenauges sehr, doch tragen sie zwei »Hörnchen« auf der Kopfkapsel, die den Tagpfauenaugen-Raupen fehlen. top

3. Größe

Die Falter erreichen Flügelspannweiten zwischen 28 bis 40 Millimetern. Die Raupen werden bis zu 22 Millimeter lang.
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4. Lebensraum

Das Landkärtchen zählt zu den Waldarten. Seine typischen Lebensräume sind Randstrukturen. Die Falter fliegen vorwiegend in etwas schattigen und luftfeuchten Hochstauden- und Brennnesselfluren an Wald- und Wegrändern. Seltener fliegen sie auch in luftfeuchten Offenlandbiotopen wie waldnahe Feuchtwiesen und Niedermoore.
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5. Entwicklung

Die ersten Falter (Frühjahrsgeneration) schlüpfen bereits im April aus den überwinternden Puppen. Sie sind bis etwa Mitte Juni anzutreffen. Die Eiablage erfolgt an meist ziemlich schattigen Stellen. Als einzige Tagfalterart legen die Weibchen bis zu zehn Eier in kleinen Türmchen an die Blattunterseiten der Raupenfraßpflanzen - ausschließlich Große Brennnessel - ab. Nach dem Schlupf der Räupchen ab Mitte Mai bis Ende Juni bleiben diese kunstvollen Eiturm-Gebilde erhalten. Die Raupen leben bis zur letzten Häutung in Gruppen von 10 bis 30 Tieren gesellig beisammen. Sie verwandeln sich dann in kleine, metallisch glänzende Stürzpuppen. Aus diesen Sommerpuppen schlüpfen ab Anfang Juli die Falter der dunkleren Sommergeneration. Diese legen wiederum Eier. Die daraus schlüpfenden Raupen verpuppen sich im Spätsommer ab Mitte August. Deren Puppen überwintern und ergeben im Frühjahr des folgenden Jahres wieder die hellen Falter der Frühjahrsgeneration.

Welche Form von Faltern schlüpft, hängt von den Bedingungen während der Raupenentwicklungszeit ab, besonders von der Tageslänge und der Temperatur. Sind die Tage kurz und ist durchschnittliche die Temperatur niedrig, entwickeln sich helle Falter. Sind die Tage länger und die Temperaturen während der Entwicklung höher, schlüpfen dunklere Tiere aus den Puppen. Dieses konnte durch Zuchten belegt werden. Dabei entstanden auch zahlreiche Zwischenformen, die zuweilen auch in der Natur beobachtet werden können. Selten wird eine dritte Generation ausgebildet. top

6. Futterpflanzen

Bei keiner anderen Tagfalterart spielen weiße Blumen eine vergleichbar große Rolle als Nektarlieferanten. Sie bevorzugen Brombeere, Wald-Engelwurz, Wiesenkerbel und zahlreiche weitere (überwiegend) Doldenblütler. Aber auch violette Blüten wie beispielsweise Ackerkratzdistel werden besucht.

Die Raupen fressen ausschließlich an Großer Brennnessel. Sie leben etwa 15 bis 30 Zentimeter unterhalb der Triebspitze. Von Landkärtchen besetzte Brennnesseln besitzen deshalb fast immer noch die Blätter der Spitzen, sind darunter kahl gefressen, während stängelabwärts wieder unbefressenes Blattwerk beginnt. top

7. Verbreitung

Das Landkärtchen ist von Westeuropa ostwärts durch die gemäßigte Zone Asiens bis Japan verbreitet. Es fehlt auf den Britischen Inseln, in Fennoskandien sowie in den Mittelmeerländern mit Ausnahme Nordspaniens.
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8. Gefährdung und Schutz

Das Landkärtchen ist nicht gefährdet. Lokale Populationen sind jedoch immer dort gefährdet, wo zur Zeit der Raupenentwicklung die Brennnesselbestände an Wald- und Wegrändern gemäht oder mit Unkrautvernichtungsmitteln bekämpft werden. top

Zusammengestellt von E. Freese im Mai 2010, Quellen:
Bellmann H. (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
Settele, J. , R. Steiner, R. Reinhardt & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Naturführer, ISBN 3-8001-4167-1.
Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württemberg. Tagfalter I, Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 3-8001-3451-9.
Weidemann, H. J. (1995) Tagfalter beobachten, bestimmen. Naturbuch-Verlag, Augsburg. ISBN 3-89440-115-X.