Sumpfwiesen-Perlmuttfalter

Sumpfwiesen-Perlmuttfalter auf Hornklee
Foto: Frank Brüning.

Sumpfwiesen-Perlmuttfalter

Flügelunterseite des Sumpfwiesen-Perlmuttfalters.
Foto: Frank Brüning.

 

Sumpfwiesen-Perlmuttfalter (Boloria selene)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Als Bewohner von mageren Feuchtwiesen und Moorrändern ist dieser relativ kleine Perlmuttfalter heute im gesamten nordwestdeutschen Tiefland nur noch sehr selten zu beobachten. Sichtungen dieser Art sollten daher bitte unbedingt gemeldet werden! top

2. Kennzeichen

Der Falter ist mit einer Flügelspannweite von 28-38 mm etwas kleiner als der Kleine Perlmuttfalter (Issoria lathonia). Seine Flügeloberseiten sind orangebraun gefärbt und besitzen ein schwarzbraunes Muster aus Punkten und Streifen, im Wurzelbereich der Hinterflügel ist ein deutlicher schwarzer Punkt erkennbar. Zur Unterscheidung von anderen Perlmuttfaltern ist die Betrachtung der Hinterflügelunterseiten wichtig: nahe der Flügelbasis befindet sich ein größerer dunkler Punkt (Name!), die Perlmuttflecken am Rand sind mit dunklen Linien abgegrenzt.
Die ausgewachsene Raupe besitzt eine Länge von bis zu 25 mm. Sie ist graubraun –schwarz marmoriert und besitzt Dornen. Das erste nach vorn gerichtete Paar Dornen sieht einem Fühlerpaar ähnlich.
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3. Größe

Die Falter erreichen Flügelspannweiten zwischen 28 und 38 Millimetern.
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4. Lebensraum

Die Art ist im nordwestdeutschen Tiefland bisher ausschließlich von wenig gedüngten Feuchtwiesen und Moorrandbereichen bekannt, in anderen Gebieten Deutschlands kommt sie auch in Waldlichtungen, Waldschneisen und auf Kahlschlägen feuchter Wälder vor. Lediglich in alpinen Lagen ist sie auch auf trockeneren Wiesen und Weiden anzutreffen.
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5. Entwicklung

In Norddeutschland fliegt der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter in ein bis zwei Generationen von Ende Mai bis Ende August. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln in der Nähe von Veilchenbeständen in der Vegetation ab, die Jungraupen schlüpfen nach 10 Tagen und müssen den Weg zu ihren Futterpflanzen selbst finden. Sie verstecken sich im Herbst in einem eingerollten welken Veilchenblatt und überwintern als halbwüchsige Raupen. Die Verpuppung findet dann im darauffolgenden Jahr im Mai an einem Seidenpolster, das an einem Stängel befestigt ist, statt. Wiederum 2 Wochen später schlüpfen die Falter. Welche Form von Faltern schlüpft, hängt von den Bedingungen während der Raupenentwicklungszeit ab, besonders von der Tageslänge und der Temperatur. Sind die Tage kurz und ist durchschnittliche die Temperatur niedrig, entwickeln sich helle Falter. Sind die Tage länger und die Temperaturen während der Entwicklung höher, schlüpfen dunklere Tiere aus den Puppen. Dieses konnte durch Zuchten belegt werden. Dabei entstanden auch zahlreiche Zwischenformen, die zuweilen auch in der Natur beobachtet werden können. Selten wird eine dritte Generation ausgebildet.
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6. Futterpflanzen

Bevorzugte Blütenpflanzen, die von den Faltern zur Nahrungsaufnahme genutzt werden, sind violett blühende Arten der Feuchtwiesen wie vor allem Sumpfkratzdisteln (Cirsium palustre) und Teufelsabbiss (Succisa pratensis).

Bei uns wird die häufigste Futterpflanze der Raupe wohl das Sumpfveilchen (Viola palustris) sein, welches auf Feuchtwiesen, in Moorrandbereichen oder in feuchten Borstgrasrasen vorkommt. In anderen Lebensräumen werden auch verschiedene andere Veilchenarten wie zum Beispiel das Hundsveilchen (Viola canina) befressen.
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7. Verbreitung

Die Art ist in Europa mit Ausnahme der Mittelmeerregion weit verbreitet.
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8. Gefährdung und Schutz

Der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter steht bundesweit auf der Vorwarnliste der gefährdeten Tierarten in Deutschland. Seine Vorkommen in der Norddeutschen Tiefebene sind aber sehr selten. Selbst im niedersächsischen Hügelland steht der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet (Rote Liste 2).
Im Oldenburger Raum wurde der Falter in den 1960er Jahren von Günther Müller (1980) noch recht häufig auf feuchten Wiesen gesichtet. Bei uns sind aktuell aber nur noch sehr wenige Vorkommen bekannt. Die Mitglieder unserer AG haben den Sumpfwiesen-Perlmuttfalter vereinzelt am Rande von Moorgebieten beobachtet (z.B. Randbereiche des Stapeler Moores, Landkreis Leer, Moore zwischen Bremerhaven und Cuxhaven). Rob van der Pool konnte die Art in der Esterweger Dose im Emsland nachweisen. Außerdem kommt der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter sehr selten auch in Feuchtwiesen vor (z.B. Mansholter Büsche, nordwestlich von Oldenburg). An fast allen Fundorten wurden nur kleinere Vorkommen mit weniger als 20 Tieren beobachtet. Selbst auf den zurzeit recht gut untersuchten ostfriesischen Inseln gibt es aktuell keine Nachweise mehr.
Die Ursache für den Rückgang der Art in Nordwestdeutschland liegt vor allem im Schwund ihrer Lebensräume. Wenig gedüngte Feuchtwiesen und Borstgrasrasen gehören zu den stark gefährdeten bzw. von vollständiger Vernichtung bedrohten Biotoptypen in Niedersachsen. Moorränder sind häufig von Verbuschung bedroht. In früh gemähten Wiesen und intensiv beweideten Grünlandflächen findet dieser Falter keinen geeigneten Lebensraum. Die Austrocknung der Habitate ist vor allem durch die landwirtschaftliche Intensivierung der vergangenen Jahrzehnte bzw. die Nutzungsaufgabe wenig ertragreicher Standorte bedingt. Auch der Klimawandel kann in einigen Fällen zum Rückgang von Feuchtbiotopen beitragen. Das Sumpfveilchen als wichtigste Futterpflanze der Art gilt bislang noch nicht als gefährdet, steht aber auf der Vorwarnliste der bedrohten Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen.
Neben dem Erhalt und der Pflege der verbliebenen extensiv genutzten Feuchtwiesen, insbesondere mit bekannten Vorkommen des Sumpfwiesen-Perlmuttfalters sollte vereinzelt auch über eine erneute Freilegung potenzieller Standorte in Hochmoor- und Niedermoorbereichen nachgedacht werden.
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Zusammengestellt von E. Woesner im März 2013, Quellen:
Bellmann, Heiko: Der Neue Kosmos-Schmetterlingsführer Franckh Kosmos- Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 3-440-09330-1.
Carter, D.J., B. Hargreaves: Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. Hamburg u. Berlin 1987. ISBN 3-490-13918-6.
Drachenfels, O. von (2012): Einstufungen der Biotoptypen in Niedersachsen – Regenerationsfähigkeit, Wertstufen, Grundwasserabhängigkeit, Nährstoffempfindlichkeit, Gefährdung -. Inform.d.Naturschutz Niedersachs. 32, Nr.1. Hannover.
Garve, E.: Rote Liste und Florenliste der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen. Stand 2004. Inform.d. Naturschutz Niedersachs.24, Nr.1, S.1-76. Hildesheim.
Lobenstein, U: Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Großschmetterlinge. Stand 2004. Inform.d. Naturschutz Niedersachs.24, Nr.3, S.165-196, Hannover.
Müller, G. (1980): Tagfalterarten im Bereich der Stadt Oldenburg – zerstörte Lebensbedingungen für Falter. Leuchtfeuer. Heimatblatt für die Jugend zwischen Niederelbe und Ems. 32. Jhrg. 4. Folge. Oldenburg.
Settele, J., R. Feldmann & R. Reinhardt (1999): Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer, Stuttgart. ISBN 3-8001-3519-1.