Hochmoor-Blaeuling

Ein Faulbaum-Bläuling saugt an einer Distelblüte. Beim Blütenbesuch klappen die Falter die Flügel zusammen, sodass meist nur die silbrig-bläuliche Unterseite zu sehen ist.
Foto: Uwe Handke 2009.

Hochmoor-Blaeuling

Faulbaum-Bläuling (Weibchen) an der namengebenden Pflanze, dem Faulbaum.
Foto: Elke Freese 2009.

Hochmoor-Blaeuling

An der Breite des dunklen Flügelsaumes sind
Weibchen und Männchen unterscheidbar. Sie ist bei den Weibbchen, wie hier zu sehen, deutlich breiter.
Foto: Henning Cordsen 2009.

Hochmoor-Blaeuling

Junge Raupe an Faulbaum.
Foto: Anonymus 2010.

Hochmoor-Blaeuling

Puppen des Faulbaum-Bläulings auf der
Unterseite der Blätter einer Stechpalme.
Quelle: Aus David J. Carter & B. Hargreaves: Raupen und Schmetterlinge Europas und Ihre Futterpflanzen (vgl. Literaturliste). Mit freundlicher Genehmigung des Paul Parey-Verlages zur ausschließlichen Verwendung auf dieser Webseite.

Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Der Faulbaumbläuling (Celastrina argiolus) ist die erste Bläulingsart, die im Jahr fliegt. Daher hat er in Norwegen auch seinen dortigen Namen »Vårblåvinge« (Vår = Frühling) erhalten. Die Flugzeit der ersten Faltergeneration dauert von April / Mai (je nachdem wann bei uns in Norddeutschland der Frühling einzieht) bis ca. Mitte Juni. Die zweite Faltergeneration fliegt dann von etwa Anfang Juli bis August.

Neben dem frühen Erscheinen des Falters unterscheidet er sich von anderen Bläulingsarten auch dadurch, dass er im Grunde nie niedrig fliegt, sondern auf der Suche nach Nahrung oder paarungsbereiten Weibchen in charakteristischem, unruhigem Flug über Büschen und zwischen Baumkronen auftaucht und wieder verschwindet. Für die Balz benötigt die Art einzeln stehende Sträucher oder Büsche. Das kann in unserem Gebiet auch schon mal ein ansonsten für hiesige Schmetterlingsarten vollkommen uninteressanter Rhododendron sein (so beobachtet in einem Garten in Oldenburg-Nadorst). top

2. Kennzeichen

Die hellblaue Oberseite der Flügel mit der dunklen Umrandung, an deren Breite die Geschlechter unterschieden werden können, ist eher selten sichtbar. Wenn die Falter sitzend beobachtet werden können - beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme - ist meist nur die silbrig blau-graue Unterseite mit den feinen, schwarzen Punkten zu sehen. Anders als bei vielen anderen Bläulingsarten haben die Flügel des Faulbaumbläulings keine orangfarbenen Flecken.top

3. Größe

Die Spannweite der Flügel beträgt 23 bis 30 Millimeter. Die asselförmigen, farblich variierenden Raupen werden bis 13 Millimeter lang.top

4. Lebensraum

Der Faulbaumbläuling ist ein Bewohner von Heidegebieten, Waldrändern,  -wegen und -lichtungen, woher sicherlich auch sein dänischer Name »Skovblåfugl« (Skov = Wald) und eventuell auch sein niederländischer Name »Boomblauwtje«; (Boom = Baum) herrühren.  Auch in Siedlungsbereichen ist er durchaus häufig, sofern auch dort für beide Generationen die jeweiligen Raupenfutterpflanzen vorhanden sind.top

5. Entwicklung

Der weibliche Falter legt seine Eier meist einzeln oder in kleinen Gruppen entweder direkt an die Blütenknospen der Futterpflanzen oder in deren direkte Nähe ab. Die Raupe frisst nach dem Schlüpfen an den Knospen, später an den Blüten und den unreifen Früchten der Futterpflanze. Die verpuppungsreife Raupe heftet sich am Ende des Raupenstadiums mit einem selbstgesponnenen Faden als sogenannte Gürtelpuppe unter ein Blatt der Futterpflanze. Ob dieses Verhalten der Regelfall ist, oder ob die verpuppungsreife Raupe noch andere Orte zur Verpuppung wählt (Äste, Stängel, Laubstreu) ist - insbesondere für die überwinternde Generation - nicht eindeutig geklärt. Die Falter der Sommergeneration verlassen die Puppenhülle bereits nach rund drei Wochen, während die Falter der überwinternden Generation dies erst nach zirka acht Monaten im folgenden Frühjahr tun. top

6. Futterpflanzen

In Deutschland - wie auch in einigen anderen Ländern - verdankt der Faulbaumbläuling seinen Namen einer seiner wichtigsten Futterpflanzen, dem Faulbaum (Frangula alnus). Bezeichnend ist, dass er auch in England nach einer weiteren (nur dort ?) wichtigen Futterpflanze benannt ist, der Stechpalme (Ilex aquifolium). Der Faulbaumbläuling heißt dort »Holly Blue« (Holly = Ilex, Hollywood = Ilexwald !). Für die Raupen des Faulbaumbläuling sind bisher viele Futterpflanzen aus ganz unterschiedlichen Familien festgestellt worden. Sehr bedeutsam ist, dass die 1. Faltergeneration natürlich ganz andere knospende Raupenfutterpflanzen (ca. im Mai) für die Eiablage vorfindet als die 2. Faltergeneration im Juli / August. Man kann hier folgende Aufteilung der Eiablage- bzw. Raupenfutterpflanzen treffen:

- Die erste Faltergeneration legt ab an Knospen von: Faulbaum, Ilex, Hartriegel u.a.

- Die zweite Faltergeneration legt ab an Knospen von: Efeu, Pfaffenhütchen, Blutweiderich, Heidekraut (Calluna), Brombeere, Hopfen, Mädesüß u.a.

Lässt sich der Falter zum Nektartrinken auf Blüten nieder, so sind es bevorzugt Blüten der Raupenfutterpflanzen (Faulbaum, Heide, Efeu). Er soll jedoch auch den Honigtau der Blattläuse nutzen und saugt gern an Pfützen. top

7. Verbreitung

Im Oldenburger Land ist der  Faulbaumbäuling weit verbreitet. Er ist jedoch in den wald-, moor- und heidereicheren Kreisen und auf Sandböden häufiger anzutreffen als zum Beispiel im Landkreis Wesermarsch. top

8. Gefährdung und Schutz

Aufgrund der größeren Anzahl der von der Art angenommenen Biotoptypen und Futterpflanzen insbesondere auch im Siedlungsbereich ist die Art nicht gefährdet. Wegen des möglichen Vorhandenseins von überwinternden Puppen sollte in den in Frage kommenden Zeiten (September bis April) unter den laubabwerfenden Futterpflanzen nicht geharkt werden. Blühende oder fruchtende Raupenfutterpflanzen sollten nicht zurückgeschnitten oder gekappt werden. Mit der Pflanzung eines Faulbaumes im Garten kann vielleicht außer dem Faulbaumbläuling auch der Zitronenfalter, welcher bei uns auf diesen Laubbaum angewiesen ist, zur Eiablage in den Garten gelockt werden. Auch sind die unscheinbaren Blüten des Faulbaumes bei vielen anderen Insekten sehr beliebt, allerdings sind seine Früchte, wie die einiger anderer Raupenfutterpflanzen des Faulbaumbläulings, giftig. top

Zusammengestellt von Anonymus. Quellen:
Heiko Bellmann (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
David J. Carter & B. Hargreaves (1987): Raupen und Schmetterlinge Europas und Ihre Futterpflanzen. Verlag Paul Parey. Hamburg, Berlin. ISBN 3-490-13918-6.
Günter Ebert & Erwin Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 2 - Tagfalter II. Satyridae, Lycaenidae, Hesperiidae. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-3459-4.
Ute Evers (1999): Schmetterlinge im Garten. Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. ISBN 3-8001-6663-1.
Ulrich Lobenstein (2004): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Großschmetterlinge mit Gesamtartenverzeichnis. Inform.d. Naturschutz Niedersachsen. Nr. 3, 165 - 196, Hildesheim.