Heidekraut_Bunteulechen

Das Große Wiesenvögelchen im Ipweger Moor. Foto: Elke Freese 2008.

Großes Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Das Große Wiesenvögelchen wird auch als Großer Heufalter oder Moor-Heufalter bezeichnet. Der Augenfalter gehört neben dem Hochmoor-Bläuling und dem Hochmoor-Perlmutterfalter zu den typischen Moorbewohnern unter unseren Tagschmetterlingen. Seine Fugzeit erstrecket sich von Juni bis August. Der Falter ist an seinem unsteten und eher hüpfenden Flug zu erkennen. Meist ruht er jedoch mit zusammengeklappten Flügeln in der Vegetation.
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2. Kennzeichen

Die Falter sind oberseits orangebraun gefärbt. Sie tragen in der Regel auf den Vorderflügelunterseiten nahe der Spitze einen kleinen weiß gerandeten Augenfleck, der auf der Oberseite meist durchscheint. Oft sind unterseits zum Vorderrand hin weitere kleinere Augenflecken ausgebildet. Auf den dunkleren Hinterflügelunterseiten sind ebenso meist mehrere deutliche weiß gerandete Augenflecken zu erkennen. Ferner ist dort eine weiße unterbrochene Binde erkennbar, die bereits an der Vorderkante der Hinterflügel beginnt. Verwechslungen sind möglich mit dem Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), das jedoch deutlich kleiner ist und dessen Hinterflügelunterseiten mehr oder weniger einfarbig grau sind und kaum wahrnehmbare Augenflecken tragen.

Die Raupen sind grün mit gelblichen Längsstreifen. Sie sind nach hinten verschmälert und tragen wie alle Vertreter der Augenfalter am Hinterende zwei kleine Zipfel. top

3. Größe

Die Flügelspannweite der Falter beträgt zwischen 35 bis 40 Millimeter. Die Raupen erreichen eine Länge bis zu 25 Millimeter.
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4. Lebensraum

Der Lebensraum der Schmetterlinge umfasst den Komplex aus Feuchtwiesen, Hoch- und Übergangsmooren. Zu den Raupenhabitaten zählen Hoch- und Zwischenmoore mit Wollgräsern (Eriophorum) als Eiablage- und Raupennahrungspflanzen. Die Falter verlassen die blütenarmen Moore nur auf kurze Distanz. Sie nutzen benachbarte, blütenreichere Flachmoorbereiche, Feucht- und Nasswiesen aber auch Wegränder zur Necktarsuche.
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5. Entwicklung

Das Große Wiesenvögelchen bildet eine Generation im Jahr. Die relativ großen, gelbgrünen Eier werden an Süß- und Sauergräser geheftet. Die daraus schlüpfenden Raupen sind von Ende Juni bis Ende Mai/ Anfang Juni des Folgejahres zu finden. Der Schmetterling überwintert im dritten bis vierten Raupenstadium. Die Verpuppung erfolgt in einer grünen Stürzpuppe zwischen Mitte Mai und Mitte Juli an Grasstängeln. top

6. Futterpflanzen

Über die Raupenfraßpflanzen besteht noch keine endgültige Klarheit. Es wird aber angenommen, dass sie überwiegend an Wollgräsern (Eriophorum) fressen, wofür der typische Aufenthaltsort der Falter spräche. Als weitere Sauergräser werden angegeben: Schnabelried (Rhynchospora) und Seggen (Carex), in der Zucht auch Süßgräser (z.B. Poa). Die Nahrung der Falter ist ebenso noch nicht hinreichend erforscht. Beobachtungen saugender Falter werden angegeben für: Besenheide, Glockenheide, Moosbeere, Blutweiderich, Heilziest, Hornklee u.a.
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7. Verbreitung

Die Verbreitung des Großen Wiesenvögelchens reicht von Nordwesteuropa ostwärts durch die gemäßigte Zone bis Ostasien. Sein Areal erstreckt sich nach Norden bis ins polare Fennoskandien und nach Süden bis an die Alpen. Isolierte Vorkommen gibt es auf den Britsichen Inseln. Außerdem kommt die Art in Nordamerika vor.
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8. Gefährdung und Schutz

In Mitteleuropa ist der Schmetterling durch den Schwund der Hochmoore (Entwässerung, Abtorfung, Nährstoffeinträge) stark zurückgedrängt worden. Auch die noch vorhandenen Populationen erleiden weitere dramatische Bestandseinbrüche. In den Moorgebieten des Oldenburger Landes ist diese Schmetterlingsart noch zu beobachten. Wichtig für den Erhalt der Art sind über den allgemeinen Moorschutz und den Bemühungen der Wiedervernässungen, Renaturierungen und Regeneration hinaus, die konsequente Berücksichtigung und Einrichtung naturnaher Pufferzonen in Form von extensiven Feuchtwiesengürteln.

In Niedersachsen sowie deutschlandweit gilt der Schmetterling als stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2). Er ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. top

Zusammengestellt von E. Freese im Mai 2010, Quellen:
Settele, J. , R. Steiner, R. Reinhardt & R. Feldmann (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Naturführer, ISBN 3-8001-4167-1.
Ebert, G. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württemberg. Tagfalter II, Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 3-8001-3459-4.
U. Lobenstein (2003): Die Schmetterlingsfauna des mittleren Niedersachsens – Bestand, Ökologie und Schutz der Großschmetterlinge in der Region Hannover, der Südheide und im unteren Weser-Leine-Bergland. Naturschutzbund Landesverband Niedersachsen. ISBN 3-925815-27-9.
Weidemann, H. J. (1995) Tagfalter beobachten, bestimmen. Naturbuch-Verlag, Augsburg. ISBN 3-89440-115-X.