Grasglucke

Grasglucke oder Trinkerin (Euthrix potatoria) ruhend im Gras. Ihre Sitzhaltung erinnert an eine brütende Henne.
Foto: Carsten Heinecke 2008.


Raupe Grasglucke

Auffallend bunte Raupe mit »Tautropfen im Haar«.
Foto: Elke Freese 2008.


Raupe Grasglucke

Raupe der Grasglucke. Vorne mit einem orangeroten (rechts) und hinten mit einem schwarzen (links) Haarpinsel auf der Oberseite.
Foto: Elke Freese 2008.


Raupen der Grasglucke im Gras

Zwei Raupen an »Grashalmen« Ende Oktober.
Foto: Carsten Heinecke 2008.


Bentgras

Moorheide mit Bent- oder Pfeifengras - einer der Lebensräume der Trinkerin.
Foto: Elke Freese 2006.

Trinkerin oder Grasglucke (Euthrix potatoria)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Die Trinkerin oder Grasglucke gehört zur Familie der Glucken(Lasiocampidae). Den Namen »Trinkerin« erhielt die Art aufgrund des hohen Flüssigkeitsbedarfes ihrer Raupen. In den Morgenstunden steigen sie an Gräsern empor um an Tautropfen zu trinken. Sie sitzen tagsüber oft hoch auf den Halmen, um sich zu sonnen. Die nachts im Schilf fressenen Raupen soll man bis in drei Meter Entfernung noch hören können. Die männlichen Falter sind nachtaktiv; die weiblichen Falter fliegen in der Dämmerung. Sie sterben bald nach der Paarung bzw. der Eiablage ab.
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2. Kennzeichen

Bei den Männchen sind die Oberseiten der Flügel meist braun und mit einem lila Schimmer belegt. Die Weibchen, die um etwa ein Drittel größer werden als die Männchen, sind in der Regel heller gefärbt. Die Färbung reicht von ockergelb über orange bis dunkelrotbraun. Auf den Vorderflügeloberseiten sind größere und kleinere, gelblichbraune Bereiche zu erkennen. Durch die Vorderflügel verlaufen zwei schmale, dunkle Querlinien. Meist ist eine zusätzliche, feine Zackenbinde parallel zum Flügelrand zu erkennen. In der Flügelmitte befindet sich ein kleiner weißer, manchmal dunkel gekernter Fleck, darüber ein weiterer weißer Fleck.
Die Raupen sind auffallend bunt. Ihre Grundfärbung ist dunkelgrau. Neben der Rückenmitte besitzen sie jeweils eine Reihe gelber bis orangeroter Haarflecke und darunter dichte, weiße Haarbüschel. Außerdem befinden sich oben auf dem dritten Ring ein orangeroter und auf dem vorletzten Ring ein schwarzer Haarpinsel. top

3. Größe

Die Falter erreichen Flügelspannweiten zwischen 40 und 65 Millimetern. Die Raupen werden bis 75 Millimeter lang.
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4. Lebensraum

Die Grasglucke lebt in recht verschiedenen Lebensräumen. Sie besiedelt sowohl frische bis feuchte, lockere Wälder, Waldlichtungen, Waldschneisen sowie Weg- und Straßenränder als auch Schilfröhrichte, Moorwiesen und andere Feuchtgebiete. Magerrasen scheinen eine geringe Bedeutung für diese Art zu haben.
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5. Entwicklung

Die grünlichweißen, etwas abgeflachten Eier werden von den Weibchen einzeln oder in kleinen Gruppen auf Grasblättern abgelegt. Die Raupen schlüpfen ab etwa Ende August. Sie sind bis in den Juni des Folgejahres zu finden. Die Überwinterung erfolgt im 3. Larvenstadium völlig frei auf einer Pflanze oder in der Bodenstreu zwischen Schilf und Moos. Sie erträgt dabei auch stärkeren Frost. Ab Mai ist die Raupe ausgewachsen und verpuppt sich in einem pergamentartigen, gelblichen und mit Haarborsten besetzten Kokon meist frei sichtbar an der Futterpflanze. Die Falter fliegen ab Ende Juni bis etwa Ende August/ Anfang September. Tagsüber ruhen die Falter versteckt an Grashalmen. top

6. Futterpflanzen

Die Falter nehmen aufgrund des Fehlens eines Saugrüssels keine Nahrung auf. Die Raupen fressen in der Regel nachts an Süßgräsern, darunter vor allem Schilf, Rohrglanzgras oder Knaulgras. Ferner befressen sie eine Anzahl weichblättrigerer Gräser wie zum Beispiel das Pfeifengras. Gelegentlich ernähren sie sich auch von Sauergräsern.
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7. Verbreitung

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa, ohne den hohen Norden und den Mittelmeerraum und reicht im Osten bis nach Japan.
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8. Gefährdung und Schutz

Die Grasglucke ist derzeit weder gefährdet noch geschützt. In manchen Gegenden ist sie nicht selten, doch ist ein gebietsweiser Rückgang zu beobachten. Dieses ist möglicherweise u.a. auf die Anwendung von Unkrautvernichtungsmitteln an Weg- und Straßenrändern zurückzuführen.
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Zusammengestellt von Elke Freese
Quellen:
Heiko Bellmann (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
H.-J. Weidemann, J. Köhler: Nachtfalter, Spinner und Schwärmer, S. 92ff, Naturbuch-Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-89440-128-1
Ulrich Lobenstein (2004): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Großschmetterlinge mit Gesamtartenverzeichnis. Inform.d. Naturschutz Niedersachsen. Nr. 3, 165 - 196, Hildesheim.
Günter Ebert et al. (1994): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 4, Nachtfalter II. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 3-8001-3474-8.