Gemeiner Bläuling

Die Hinterflügel des Kleinen Perlmutterfalters bilden eine fast gerade Linie.
Foto: Uwe Handke 2009.

Kleiner Perlmutterfalter

Kennzeichnend sind die großen, silbrig glänzenden Perlmuttflecken auf den Flügelunterseiten, die den Kleinen Perlmutterfalter unverwechselbar machen.
Foto: Uwe Handke 2009.

Kleiner Perlmutterfalter

Kleiner Perlmutterfalter auf Bergsandglöckchen, eine typische Pflanze trockener, meist sandiger Standorte.
Foto: Uwe Handke 2009.

Kleiner Perlmutterfalter

Kleiner Perlmutterfalter auf Rainfarn.
Foto: Elke Freese 2009.

Kleiner Perlmutterfalter (Issoria lathonia)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Der Kleine Perlmutterfalter (Issoria lathonia) ist ein Tagfalter aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Die Schmetterlinge zählen zu den Wanderfaltern. Die Falter fliegen in einer sehr großen Zeitspanne von April bis Oktober und bringen im Jahr bis zu drei, zuweilen sogar vier Generationen hervor. Die heimischen Populationen werden dabei immer wieder durch zuwandernde Tiere aus dem Süden verstärkt. Die erste Generation ist wenig auffällig, denn die Tiere sind nur spärlich anzutreffen. Die folgenden Generationen sind dagegen deutlich ausgeprägter. Der Kleine Perlmutterfalter gehört zu den Arten, die man noch sehr spät im Jahr beobachten kann. Die Falter sonnen sich besonders an kühlen Tagen im Frühjahr und Herbst an unbewachsenen Stellen am Boden.
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2. Kennzeichen

Die Flügeloberseiten sind gelbrot und tragen ein ziemlich gleichmäßiges Muster aus rundlichen, schwarzen Flecken. Alle Arten der Gruppe der »Perlmutterfalter« sind oberseits recht ähnlich gezeichnet. Durch die Zeichnung der Flügelunterseiten sind die verschiedenen Arten jedoch eindeutig charakterisiert. Auf den Hinterflügelunterseiten des Kleinen Perlmutterfalters befinden sich eine äußere Perlmuttfleckreihe, darauf folgend eine Reihe kleinerer, braun gerandeter Perlmuttflecke und schließlich einige auffallend große, weiße Perlmuttflecken (»Fensterflecken«). Die Vorderflügelunterseiten tragen an den Spitzen ebensolche, aber kleinere Flecken. Diese Perlmuttflecken sind von weit intensiverem, silbrigen Metallglanz als bei den übrigen Perlmutterfaltern.

Die Raupen sind von gräulichbrauner Grundfarbe. Sie sind an den Seiten braun, auf dem Rücken schwarz und tragen zahlreiche längsbindenartig verteilte graue Flecken. top

3. Größe

Die Falter erreichen Flügelspannweiten zwischen 35 und 45 Millimetern. Die Raupen werden etwa 35 Millimeter lang.
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4. Lebensraum

Die wärmeliebenden Schmetterlinge leben in offenem, wenig bewachsenem Gelände, wie Magerrasen, Brachen und extensiv genutzten Kulturflächen. Auch blütenreiche Ackerrandstreifen und Stoppeläcker werden regelmäßig genutzt. Gelegentlich sind sie auch in Blumenrabatten der Siedlungsbereiche anzutreffen. top

5. Entwicklung

Die stumpf kegelförmigen, hellen Eier werden einzeln an die Blattunterseiten der Futterpflanzen geheftet. Die Raupen entwickeln sich vergleichsweise schnell. Die Verpuppung erfolgt in Bodennähe zwischen locker miteinander versponnenen Pflanzenteilen. Die Stürzpuppe ist dunkelbraun und trägt auf dem Rücken einen großen, weißen Sattelfleck und weitere kleinere Flecken. Sie erinnert im Aussehen an Vogelkot und ist dadurch gut getarnt. Die Überwinterung erfolgt meist im dritten Raupenstadium, ist aber auch in allen anderen Stadien möglich. top

6. Futterpflanzen

Raupenfutterpflanzen sind vor allem Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis), aber auch weitere Arten der Gattung der Stiefmütterchen und sogar Gartenformen. Die Falter saugen gerne an Dost, Wiesen- und Skabiosen-Flockenblume oder an Disteln.top

7. Verbreitung

Die Gesamtverbreitung reicht von Nordafrika über Europa mit Ausnahme der Britischen Inseln und des nördlichen Fennoskandiens und ostwärts bis Mittelasien.top

8. Gefährdung und Schutz

Die Art ist in Deutschland derzeit nicht gefährdet. In Niedersachsen wird sie in der Vorwarnliste geführt. Sie ist in Mitteleuropa weit verbreitet und in den meisten Gegenden nicht selten. Gebietsweise ist jedoch ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Dieses dürfte auf die Intensivierung der Landwirtschaft, dem Umbruch von Getreidefeldern gleich nach der Ernte und damit dem Verlust der Standorte des Acker-Stiefmütterchens und schließlich die Verwendung von Spritzmitteln und damit dem Verlust wichtiger Vegetationsinseln zurückzuführen sein.
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Zusammengestellt von Elke Freese im September 2009
Quellen:
Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 1: Tagfalter I - Papilionidae, Pieridae, Nymphalidae, Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart. ISBN 3-8001-3451-9.
H. J. Weidemann (1995): Tagfalter: beobachten - bestimmen. Naturbuch Verlag, Augsburg. ISBN 3-89440-115-X
Heiko Bellmann (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
Ulrich Lobenstein (2004): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Großschmetterlinge mit Gesamtartenverzeichnis. Inform.d. Naturschutz Niedersachsen. Nr. 3, 165 - 196, Hildesheim.