Hochmoor-Blaeuling

Die Oberseite der männlichen Falter ist
violettblau gefärbt. Hier sitzt der
Falter auf Heidelbeere.
Foto: Elke Freese 2010.

Hochmoor-Blaeuling

Männchen des Hochmoor-Bläulings.
Foto: Carsten Heinecke 2008.

Hochmoor-Blaeuling

Weibchen des Hochmoor-Bläulings.
Foto: Carsten Heinecke 2008.

Hochmoor-Blaeuling

Hochmoor-Bläulinge bei der Paarung.
Foto: Carsten Heinecke 2008.

Hochmoor-Bläuling (Vacciniia optilete)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Der Hochmoor-Bläuling wird auch als Moor-Heidelbeeren-Bläuling bezeichnet. Dieser Schmetterlinge dürfte wohl einer der seltensten Vertreter der Bläulinge (Lycaenidae) in Deutschland sein. Wie der Name schon sagt, ist er auf das Vorhandensein von Hochmooren angewiesen.

Aufgrund des drastischen Rückganges nordwestdeutscher Regenmoore ist der Hochmoor-Bläuling ebenso wie der Hochmoor-Perlmutterfalter heute in Niedersachsen, dem ehemals moorreichsten Bundesland, vom Aussterben bedroht! Im Oldenburger Land ist dieser Falter sehr selten geworden. Tatsächlich existieren für ihn, wie wir feststellen konnten, noch Restlebensräume, die des besonderen Schutzes bedürfen. Denn es gilt: Lebensraumschutz ist Schmetterlingsschutz!top

2. Kennzeichen

Das Männchen ist auf der Flügeloberseite violettblau gefärbt, das Weibchen dunkelbraun. Die Unterseite der Flügel ist graubraun und mit dunklen Flecken besetzt. Auf der Unterseite des Hinterflügels befindet sich ein großer, auffälliger, orange abgesetzter Randfleck mit metallisch blauem Kern, welcher ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal darstellt. Das Ei ist weißlich und hat eine feinwabige Struktur und eine undeutliche Vertiefung am Pol. Die Raupe ist grün und trägt gelbe Seitenstreifen. top

3. Größe

Die Falter erreichen etwa 25 mm Flügelspannweite. top

4. Lebensraum

Die tyrphobionte Schmetterlingsart ist eng an Hochmoore gebunden. Sie lebt in naturnahen Hochmooren und Lichtungen in der bewaldeten Moorrandzone und meidet große, baumfreie Flächen. In der Literatur wird die starke Abhängigkeit von mikroklimatischen Bedingungen hingewiesen und die Bevorzugung windgeschützter Torfmoosschwingrasen an den Hochmoorrändern als bevorzugte Falterlebensräume genannt. top

5. Entwicklung

Der Hochmoor-Bläuling ist einbrütig und fliegt meist in der Zeit um Ende Juni bis Anfang Juli. Hierbei kann es aber witterungsbedingt zu Verschiebungen kommen. Die Flugzeit ist ausgesprochen kurz. Die Eier werden an Blätter verschiedener Heidekrautgewächse gelegt, die als Raupennahrung dienen (s. u.). Die Eiruhe beträgt nur ein paar Tage, dann schlüpft bereits die Raupe. Die Jungraupe überwintert und verpuppt sich im nächsten Jahr etwa im Juni. Kurz darauf schlüpfen die Schmetterlinge der neuen Generation. top

6. Futterpflanzen

Die Falter saugen Wasser an feuchten Torfmoosen, an Tierkot und an Blüten von Glocken-Heide und Moosbeere. Folgende Pflanzenarten werden als Raupenfraßpflanzen genannt: Oxycoccus palustris (Moosbeere), Vaccinium uliginosum (Rauschbeere), Andromeda poliifolia (Rosmarinheide), Vaccinium vitis-ideae (Preiselbeere), Vaccinium myrtillus (Heidelbeere), Erica tetralix (Glocken-Heide) und Empetrum nigrum (Krähenbeere).top

7. Verbreitung

Der Schmetterling ist in ganz Mitteleuropa ostwärts durch die gemäßigte Zone Asiens bis Japan verbreitet. In Nordeuropa kommt er in Fennoskandien bis zum Nordkap, im Süden Europas bis zu den Westalpen vor. Ferner ist er im nordwestlichen Nordamerika beheimatet. In Niedersachsen kommt der Hochmoor-Bläuling nur noch sehr lokal in den Moorgebieten der Tiefebene vor.top

8. Gefährdung und Schutz

Die Art ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt und ist auf der Roten Liste BRD als stark gefährdet eingestuft. In Niedersachsen ist die Art sogar vom Aussterben bedroht.
Das Überleben des Schmetterlings hängt von der Erhaltung der letzten noch verbliebenen Moorstandorte ab. Der Hochmoorbläuling ist nicht nur durch die direkte Zerstörung seiner Lebensräume wie landwirtschaftliche Nutzung oder Abtorfung bedroht. Durch Trockenlegungsmaßnahmen, um angrenzende Flächen landwirtschaftlich zu nutzen, wachsen ehemals feuchte Moorlichtungen zu, was ein Verschwinden des Hochmoorbläulings nach sich zieht. Pflegemaßnahmen wie ein flächendeckendes Entkusseln von Mooren wirkt sich darüber hinaus negativ auf die Schmetterlinge aus. Die fehlende Beschattung von Moorflächen im Sommer führt zu deren Austrocknung und Arten wie der Hochmoorbläuling verschwinden.
Die wichtigste Forderung des Naturschutzes ist daher die Ausweisung von Hochmoorflächen mit ausreichenden Pufferzonen als Falterschutzzgebiet! top

Zusammengestellt von Elke Freese, Quellen:
Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 2 - Tagfalter II. Satyridae, Lycaenidae, Hesperiidae. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-3459-4.
J. Settele, R. Steiner, R. Reinhardt & R. Feldmann (2005): Schmetteringe - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer Verlag, Stuttgart. ISBN 3-8001-4167-1
H.J. Weidemann (1995): Tagfalter - beobachten, bestimmen. Natur Buch Verlag. Augsburg. ISBN 3-89440-115-X
A. Hochkirch (2001): Zum Schutz des Hochmoor-Bläulings, Plebejus (Vacciniina) optilete, in der Diepholzer Moorniederung. Verh. Westd. Entom. Tag 2000, S. 69-73, Lübbecke-Mus., Düsseldorf. [PDF 157 KB]