Schwalbenschwanz

Der Schwalbenschwanz bevorzugt violete Blüten.
Foto: Elke Freese 2010.

Schwalbenschwanz

Namengebend für diesen Falter sind die
schwanzförmigen Verlängerungen an den
Hinterflügeln.
Foto: Carsten Heinecke 2010.

Schwalbenschwanz

Auch ein Löwenzahn wird nicht verschmäht.
Foto: Uwe Handke 2009.

Schwalbenschwanz

Schwalbenschwanz-Raupe.
Foto: Carsten Heinecke 2010.

Schwalbenschwanz

Der Schwalbenschwanz überwintert als
Gürtelpuppe an Pflanzenstängel gesponnen.
Foto: NABU/Willi Mayer.

Wilde Meohre

Die Wilde Möhre und andere Doldenblütler
sind wichtige Nahrungspflanzen der Raupen.
Foto: Elke Freese 2008.

Weinraute

Die Weinraute bildet eine Ausnahme
im Nahrungsspektrum. Sie gehört zur Familie
der Rautengewächse und macht sich auch in
einem Kräuterbeet sehr gut.
Foto: Elke Freese 2010.

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

1. Allgemeines

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Entwicklung und Lebensweise - 5. Lebensraum - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) mit seinem eindrucksvollen flatternden und segelnden Flug ist mit bis zu acht Zentimetern Flügelspannweite einer der größten und schönsten heimischen Tagfalter. Zugleich ist er der einzige Vertreter der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) in unseren nördlichen Breiten.

Damit sich die verstreut lebenden Männchen und Weibchen zur Paarung finden, versammeln sich beide Geschlechter zum Balzflug um Geländererhebungen wie Hügel- und Bergkuppen oder auch Türme. Bei uns im Flachland sind es meist Sanddünen, Geestkanten oder rekultivierte Mülldeponien. »Hilltopping« oder »Gipfelbalz« nennt sich dieser Heiratsmarkt.

Wegen seiner Gefährdung, aber auch wegen des Erfolges von Schutzmaßnahmen wurde der Schwalbenschwanz zum »Schmetterling des Jahres 2006« gewählt. Der Erhalt von artenreichen, giftfreien Wiesen ist eine zentrale Schutzmaßnahme, wovon auch viele andere Schmetterlingsarten profitieren. top

2. Kennzeichen

Die Verlängerungen seiner Hinterflügel, die an den Schwanz einer Rauchschwalbe erinnern, gaben diesem Falter seinen Namen. Seine Flügel sind gelb gefärbt und tragen eine ausgedehnte und markante Schwarzzeichnung. Dieses Muster setzt sich auf den Hinterflügeln fort. Dort zieht sich jeweils eine blaue Binde an den Rändern der Hinterflügel entlang, die in einem rotblauen, schwarz gerandeten Augenfleck am Innenwinkel endet.

Die glatten, unbehaarten Raupen sind zunächst schwarz. Später sind sie hellgrün mit schwarzen, orangerot gepunkteten Querbinden.top

3. Größe

Die Falter erreichen Flügelspannweiten zwischen 50 und 80 Millimetern. Die Raupen werden bis zu 40 Millimeter lang.
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5. Entwicklung und Lebensweise

Die Falter sind nicht standorttreu, sondern schweifen weit umher und können deshalb in recht unterschiedlichen Lebensräumen angetroffen werden. Damit sich die Männchen und Weibchen zur Paarung finden, versammeln sich beide Geschlechter zum Balzflug um Hügel- und Bergkuppen oder auch Türme und Ruinen. Die Weibchen überwinden nach der Begattung weite Entfernungen, um geeignete Pflanzen zur Eiablage zu finden. Günstig dafür sind einzeln und an warmen Orten wachsende, aromatische Doldenblütler. Etwa 150 Eier werden so verteilt, dass jede Wirtspflanze später nur wenige Raupen zu versorgen hat.

Es entwickeln sich Raupen mit grüner Grundfärbung und schwarzen, rot gepunkteten Querstreifen. Die markanten Raupen stülpen bei Gefahr eine orange gefärbte Nackengabel aus, die Abwehrstoffe vertrömt, um Ameisen, Schlupfwespen oder andere Räuber zu vertreiben.

Der Schmetterling bringt im Jahr zwei Generationen hervor. Die erste Generation fliegt ab Mai bis Mitte Juni, die zweite Generation von Juli bis August. Gelegentlich tritt je nach Gunst des Jahres in wärmeren Gegenden eine 3. Generation auf. Der Schwalbenschwanz überwintert als grau oder grün gefärbte Gürtelpuppe.top

4. Lebensraum

Der Schmetterling ist auf eine abwechslungsreiche Landschaft angewiesen. Die Falter brauchen sonniges und offenes Gelände. Magerrasen, Brach- und Ruderalflächen sowie extensiv genutzte Mähwiesen zählen zu ihren bevorzugten Lebensräumen. Aber auch andere Biotope mit Doldengewächsen, wie Waldlichtungen, Kiesgruben, Böschungen und Gemüsegärten werden besiedelt.top

6. Futterpflanzen

Die Falter besuchen besonders violette Blüten von Rot-Klee (Trifolium pratense), Sommerflieder (Buddleja davidii) oder Flockenblumen (Centaurea). Die Raupen fressen an Doldenblütlern (Apiaceae) wie Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota), Fenchel (Foeniculum vulgare), Wiesen-Kümmel (Carum carvi), Petersilie (Petroselinum crispum), Dill (Anethum graveolens), Gartenmöhre (Daucus carota subsp. sativa) und Haarstrangarten (Peucedanum). Außerdem ernähren sie sich von der Weinraute (Ruta graveolens), die als Vertreterin der Rautengewächse (Rutaceae) einem ganz anderen Verwandtschaftskreis angehört.
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7. Verbreitung

Der Schwalbenschwanz ist weltweit in vielen Unterarten und Formen von Europa und Nordafrika über das gemäßigte Asien und Japan bis nach Nordamerika verbreitet. top

8. Gefährdung und Schutz

In den letzten Jahren sind die Bestände des Schwalbenschwanzes bedrohlich zurückgegangen. Er ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt und steht auf der Vorwarnliste (V) der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. In Niedersachsen ist der Schwalbenschwanz stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2).

Hauptursache für seinen Rückgang sind die Überdüngung von Äckern, die intensive Beweidung des Grünlandes, unnötig häufige Mahd von Wegrändern, Bahndämmen und Böschungen sowie die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Der Bestand des Schwalbenschwanzes hat sich nach einem Tief in den 1970er und 1980er Jahren durch die Verringerung des Einsatzes von Umweltgiften in Gärten und auf öffentlichem Gelände leicht erholt.
Zitat aus einem Aufsatz von Günter Müller aus dem Jahr 1980, der die Tagfalter Oldenburgs seit 1930 beobachtete: »Der Falter war bis 1956 häufig, ist seitdem nahezu ausgestorben.« Erfreulicherweise wird der Schwalbenschwanz auch im Oldenburger Raum immer öfter beobachtet aber dennoch immer noch vergleichsweise selten.

Als Schutzmaßnahmen sind eine etappenweise durchgeführte Mahd extensiver Wiesenflächen mit alternierend ungemähten Parzellen sowie ein Verzicht auf Mulchen zu empfehlen. Auf diese Weise werden die überwinternden Puppen geschont. Überdies kann auf eine Mahd von Wegrändern und Böschungen verzichtet werden. In Gärten kann dem Schwalbenschwanz geholfen werden, indem genügend Nektarpflanzen zur Verfügung stehen. Raupen, die am Kraut der Gartenmöhre oder Dill leben, können problemlos geschont werden,denn sie richten kaum Schaden an. top

Zusammengestellt von Elke Freese, August 2010, Quellen:
Bellmann H. (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
Ebert, E. & E. Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 1 – Tagfalter I. Papilionidae, Pieridae, Nymphalidae. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-3451-9.
J. Settele et al. (2005): Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands. Ulmer, Stuttgart. ISBN 3-8001-4167-1.
Lobenstein U. (2003): Die Schmetterlingsfauna des mittleren Niedersachsens – Bestand, Ökologie und Schutz der Großschmetterlinge in der Region Hannover, der Südheide und im unteren Weser-Leine-Bergland. Naturschutzbund Landesverband Niedersachsen. ISBN 3-925815-27-9.
Müller, G. (1980): Tagfalterarten im Bereich der Stadt Oldenburg - Zerstörte Lebensbedingungen für Falter. Leuchtfeuer. Heimatblatt für die Jugend zwischen Niederelbe und Ems. 32. Jhrg., 4. Folge, Oldenburg.