Abendpfauenauge

Ein gut getarntes, tagsüber ruhendes Abendpfauenauge.
Foto: Carsten Heinecke 2008.


Abendpfauenauge

 Die Schrecktracht soll Fressfeinde wie Vögel abschrecken.
Foto: Carsten Heinecke 2008.


Abendpfauenauge

Die typische Krümmung des Hinterleibes in Ruhestellung.
Foto: Carsten Heinecke 2008.


Raupe Abendpfauenauge

Das blaue »Horn« ist das wichtigste Erkennungsmerkmal der Raupe.
Foto: Carsten Heinecke 2010.


Raupe Abendpfauenauge

Kurz vor der Verpuppung.
Foto: Meike Schleppegrell 2008.

Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata)


1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Das Abendpfauenauge verdankt seinen Namen der arttypischen Augenzeichnung auf den Hinterflügeln. In der Ruhestellung (tagsüber) ist diese zwar nicht zu sehen, aber bei einer Störung zieht der Falter die Vorderflügel ruckartig nach oben - im Gesamtbild wirkt der Falter dann wie ein Gesicht, das den Störenfried plötzlich anschaut. Durch schaukelndes Vor- und Zurückbewegen des Körpers kann die bedrohliche Wirkung dieser »Schrecktracht« verstärkt werden.
Die Flugzeit der Falter dauert von Mai bis Ende Juli. Der einzelne Falter kann wegen des verkümmerten Rüssels jedoch keine Nahrung aufnehmen und lebt deshalb nicht lange.top

2. Kennzeichen

Durch die typische Augenzeichnung der Hinterflügel ist der Falter unverwechselbar. Die Raupe kann mit der des Pappelschwärmers (Laothoe populi) verwechselt werden, zeichnet sich jedoch hauptsächlich durch ein blaues „Horn“ am Hinterende und eine weniger gedrungene Gesamterscheinung aus.
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3. Größe

Die Spannweite der Flügel beträgt 70 bis 80 Millimeter. Die Raupen werden bis 80 Millimeter lang.
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4. Lebensraum

Wegen der Bevorzugung von Weidengehölzen kommt das Abendpfauenauge hauptsächlich an feuchten Waldrändern, in den Auenwäldern der Stromtäler sowie in Fluss und Bach begleitenden Ufergebüschen vor. Aber auch an vom Menschen geformten Standorten wie den Rändern von Baggerseen, Tümpeln, an Weg- und Uferböschungen, Dämmen entlang von Straßen, auf Parkplätzen und Verkehrsinseln kann man die Raupen an Weiden finden. Neben diesen überwiegend feuchten Lebensräumen werden aber auch trockenere Bereiche mit Weidenbeständen besiedelt. Da auch Lebensräume mitten im Siedlungsbereich bewohnt werden, kann man das Abendpfauenauge in gewisser Weise als Kulturfolger ansehen.
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5. Entwicklung

Das Weibchen des Abendpfauenauges heftet die grünlichen Eier in der späten Abenddämmerung einzeln oder paarweise an die Blattunterseite von Weidengebüschen. Nach ca. 14 Tagen schlüpfen die ebenfalls grün getarnten Raupen, bei denen das »Horn« im Vergleich zu den älteren Raupen noch relativ lang ist. Die Raupen findet man im August/September besonders an niedrigen, bis zwei Meter hohen Büschen, wo sie durch die völlig kahl gefressenen Zweige auffällt. Vor der Verpuppung kriechen die nun rosa gefärbten, aber immer noch durch das blaue »Horn« erkennbaren Raupen auf dem Boden umher, um sich einen geeigneten Verpuppungsort zu suchen. Den Winter überdauert die Art als Puppe im Boden.
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6. Futterpflanzen

Die wichtigsten Futterpflanzen der Raupen sind Weiden – es ist anzunehmen, dass sämtliche bei uns vorkommenden Weidenarten samt ihren Bastarden als Raupennahrung geeignet sind. Offensichtlich werden Jungpflanzen bevorzugt.
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7. Verbreitung

Im Oldenburger Land kommt das Abendpfauenauge zerstreut, aber meist in geringer Anzahl vor. 
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8. Gefährdung und Schutz

Durch die Beseitigung von Weidenbeständen in Wäldern und Auen kann eine lokale Gefährdung des Bestandes hervorgerufen werden. Weidenbestände an Waldrändern und Ufern sollten also unbedingt erhalten bleiben. Auch neu angelegte Weidenpflanzungen können wegen der Flugtüchtigkeit der Art schnell besiedelt werden.
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Zusammengestellt von Carsten Heinecke
Quellen:
Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.) (1994): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 4 – Nachtfalter II. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 3-8001-3474-8.
Heiko Bellmann (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
Ulrich Lobenstein (2003): Die Schmetterlingsfauna des mittleren Niedersachsens – Bestand, Ökologie und Schutz der Großschmetterlinge in der Region Hannover, der Südheide und im unteren Weser-Leine-Bergland. Naturschutzbund Landesverband Niedersachsen. ISBN 3-925815-27-9.