Tagpfauenauge

Tagpfauenauge -
Schmetterling des Jahres 2009.
Foto: Elke Freese 2009.

Tagpfauenauge

Tagpfauenauge auf violetter Blüte.
Gut sichtbar die dunklel
marmorierten Flügelunterseiten.
Foto: NABU/Helge May.

bbb

Raupen des Tagpfauenauges an Brennnessel.
Foto: Elke Freese 2008.

distelfalter

 Einzelne Raupe des Tagpfauenauges.
Foto: Henning Cordsen 2009.

Tagpfauenauge (Aglais io)

1. Allgemeines - 2. Kennzeichen - 3. Größe - 4. Lebensraum - 5. Entwicklung - 6. Futterpflanzen - 7. Verbreitung - 8. Gefährdung und Schutz
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1. Allgemeines

Das Tagpfauenauge ist ein weit verbreiteter und gut bekannter Schmetterling aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae).

Die Raupen sind von Mitte Mai bis Mitte September zu finden. Bisher bildete das Tagpfauenauge im nördlichen Mitteleuropa stets nur eine Generation pro Jahr aus, wobei die (Sommer-) Generation in warmen Jahren schon ab Juni schlüpft. Mit der Klimaerwärmung wird inzwischen auch in Norddeutschland überall eine zweite (Herbst-) Generation ausgebildet, die lückenlos ab August bis in den Oktober schlüpft. Diese bereiten sich auf das Überwintern beispielsweise auf Dachböden, in Kellern oder natürlichen Überwinterungsplätzen wie Fuchsbauten oder Höhlen vor. Daher kann man die Falter das ganze Jahr über finden. top

2. Kennzeichen

Die großen Augenflecken, die dem Pfauenauge seinen Namen geben, nutzt der Schmetterling als Schutz gegen Fressfeinde. Bei Gefahr klappt er die Flügel ruckartig auseinander und zeigt seine Flügeloberseiten. Dem Fressfeind wird so vorgegaukelt, ein großes Tier blicke ihn an. Im Ruhezustand klappt der Schmetterling seine Flügel zusammen und sieht dann aus wie ein trockenes Blatt.
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3. Größe

Der Falter erreicht eine Flügelspannweite von 50 bis 55 Millimetern. Die Raupen werden zirca 42 Millimeter lang. Sie sind schwarz und weisen im letzten Raupenstadium am ganzen Körper zahlreiche feine weiße Punkte und schwarze Dornen auf.
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4. Lebensraum

Das Tagpfauenauge lebt besonders häufig in Waldnähe, aber auch im Siedlungsbereich. Es gehört zu den Tagfaltern, die mit den Gegebenheiten der modernen Kulturlandschaft am besten zurechtkommen. Dazu gehört insbesondere auch die Anpassung an die Große Brennnessel als Futterpflanze für die Raupen, denn diese stickstoffliebende Pflanze profitiert in besonderem Maße von den intensiven Bewirtschaftungsmethoden der Landwirtschaft.
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5. Entwicklung

Die Weibchen legen ihre etwa ein Millimeter großen Eier ab Mai in Gelegen von 50 bis 200 Stück an die Unterseite von sonnig stehenden Brennnesseln, die an luftfeuchten, zugleich aber auch windgeschützten Stellen wachsen. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Raupen und leben zunächst gesellig auf oder in einem Gespinst, das sie selbst angelegen. Sobald die erste Brennnesselpflanze entlaubt wurde, steigen sie auf die nächste Pflanze über. Nach vier Häutungen, wenn die Raupen ausgewachsen sind, verteilen sie sich zur Verpuppung und hängen sich dann kopfüber an trockene Stängel oder Blätter (Sturzpuppen). Nach ein paar Tagen reißt die Haut der Raupen auf und die erst hellgrüne, später graubraune Haut der Puppe wird sichtbar. Nach zwei Wochen schlüpfen die Falter.
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6. Futterpflanzen

In Mitteleuropa fressen die Raupen ausschließlich an der Großen Brennnessel (Urtica dioica). Andere Brennnesselarten können möglicherweise auch als Futterpflanzen dienen. Die überwinternden Falter ernähren sich vom Nektar der ersten Frühblüher (Weidenkätzchen, Veilchen, Taubnesseln, Seidelbast, Schlehe, Löwenzahn oder Huflattich). Wenn die nächste Generation ab Juli schlüpft, saugen die Falter meistens Nektar an rot bis blau-violett blühenden Pflanzen, vor allem an Disteln, aber auch an Wasserhanf, Zwergholunder, Wiesenflockenblumen, Taubenskabiosen und Rotklee. In Hausgärten findet man sie gemeinsam mit anderen Faltern häufig am Sommerflieder (Buddleja davidii), der deshalb auch „Schmetterlingsstrauch“ genannt wird.
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7. Verbreitung

Ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens. Durch das klimatisch gemäßigte Asien bis nach Japan. Man kann die Falter bis zu 2.500 Meter Höhe finden, in Baden-Württemberg wurden die Raupen allerdings nur bis zu einer Höhe von 950 Metern nachgewiesen. In ganz Niedersachsen kann man den Falter überall und häufig finden.
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8. Gefährdung und Schutz

Das Tagpfauenauge ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) nicht geschützt und ist auch nicht gefährdet. Schmetterlinge eignen sich besonders gut als Umweltindikatoren, da sie sehr schnell auf Veränderungen reagieren. Aufgrund des Klimawandels breiten sich Wärme liebende Arten weiter aus. Arten dagegen, die auf kühlere Bedingungen angewiesen sind, ziehen sich - soweit möglich - nach Norden oder in Bergregionen zurück. Mit der Verschiebung der Verbreitungsgebiete wird sich auch die Artenzusammensetzung der Schmetterlinge in Deutschland verändern.
Dem Tagpfauenauge droht eine besondere Gefahr durch Bt-Mais, der einzigen gentechnisch veränderten Pflanze, die derzeit in Deutschland kommerziell angebaut wird. Einer Studie zufolge starben etwa 20 Prozent der Schmetterlingsraupen, nachdem sie Brennnesselblätter mit Maispollen in typischer Konzentration, wie sie an Feldrändern auftritt, gefressen hatten.
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Zusammengestellt von Rebeccca Kittel
Quellen:
Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 1 – Tagfalter I. Papilionidae, Pieridae, Nymphalidae. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-3451-9.
Heiko Bellmann (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
Presseinformationen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): BUND NRW